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Vorsorge für den Blackout: Notstromaggregat, Powerstation und sicherer Anschluss

Nach Unwettern, die ganze Täler tagelang vom Netz trennen, und seit der Blackout auch in Österreich ein ernstes Thema ist, denken immer mehr Familien über Notstrom nach. Ein Aggregat kann Heizung, Wasser und Kommunikation am Laufen halten — falsch angeschlossen wird es aber zur Gefahr für Sie und andere. So bereiten Sie sich vor, solange der Strom noch da ist.

Schnelle Antwort, welche Leistung und wie viel Treibstoff Ihr Haus braucht: Notstromaggregat-Rechner.

Die erste Frage: Was muss unbedingt laufen?

Der Österreichische Zivilschutzverband empfiehlt im Ratgeber Blackout, bei der Vorsorge von mindestens 10–14 Tagen auszugehen. Für Privathaushalte rät er von Stromaggregaten eher ab — zuverlässige Geräte sind teuer, größere Treibstoffmengen erhöhen die Brandgefahr, und bei falscher Handhabung droht Kohlenmonoxid. Wer trotzdem Notstrom braucht — etwa für Brunnen, Heizung oder ein medizinisches Gerät —, sollte genau planen und nicht jedes Gerät versorgen. Notieren Sie, was in Ihrem Haushalt wirklich kritisch ist:

  • Wärme. Ohne Strom laufen bei Gastherme, Pellets- oder Festbrennstoffkessel weder Steuerung noch Umwälzpumpe — das Haus kühlt binnen eines Tages aus, bei Frost können Leitungen einfrieren.
  • Wasser. Mit eigenem Brunnen gibt es ohne Strom kein Wasser, und ein Keller mit Tauchpumpe kann volllaufen.
  • Lebensmittel. Ein geschlossener Kühlschrank hält die Kälte etwa 4 Stunden, eine volle Tiefkühltruhe etwa einen Tag.
  • Kommunikation und Information. Handys, Internet, Radio.
  • Gesundheit. Nutzt jemand CPAP, Sauerstoffkonzentrator oder ein anderes Gerät, hat es Vorrang.

Eine solche Liste kommt meist auf 1–3 kW, nicht auf die 10 kW, die ein ganzes Haus ziehen kann. Das entscheidet über alles: Größe des Aggregats, Preis und Treibstoffmenge.

Notstromaggregat, Powerstation oder Hybrid-Wechselrichter?

NotstromaggregatPowerstationHybrid-Wechselrichter mit Speicher
FunktionsweiseVerbrennt Benzin, Diesel oder GasAkku (LiFePO4) mit WechselrichterStromspeicher, geladen aus Netz oder PV
Leistung1–15 kW0,5–3 kW3–10 kW
LaufzeitSolange Treibstoff da istEinige Stunden bis ein TagEin Tag oder mehr, mit Sonne länger
Im Haus nutzbarNeinJaJa (fest installiert)
Lautstärke55–75 dBNahezu lautlosLeise
Preis (Richtwert)300–3.000 €300–2.000 €ab 5.000 €

Für viele Haushalte sind zwei Stufen am sinnvollsten: eine kleine Powerstation für Handys, Internet, Licht und Kühlschrank in den ersten Stunden, dazu ein Aggregat für längere Ausfälle und die Heizung. Wer schon eine PV-Anlage hat, liest unten den Abschnitt zum Hybrid-Wechselrichter — der Zivilschutzverband sieht PV mit Speicher als Alternative zum Aggregat. Wie viel Strom einzelne Geräte ziehen, zeigt unsere Übersicht Stromverbrauch von Geräten.

Leistung wählen: Betriebs- und Anlaufleistung

Jedes Gerät hat eine Betriebsleistung — so viel braucht es im Lauf. Geräte mit Motor — Kühlschrank, Pumpe, Waschmaschine — ziehen beim Einschalten aber kurz das 3- bis 5-Fache. Das Aggregat muss diese Anlaufspitze verkraften, sonst schaltet es ab oder der Motor läuft nicht an.

Beispiel: Steuerung der Gastherme (100 W), Umwälzpumpe (50 W), Kühlschrank (150 W), LED-Licht (60 W), Internet und Handys (45 W) brauchen zusammen ~405 W. Springt der Kompressor des Kühlschranks an, sind kurz ~1.050 W nötig. Kommt eine Brunnenpumpe hinzu (1.000 W, beim Anlauf bis 3.000 W), braucht es bereits ein 3,5-kW-Aggregat.

Faustregel: Die Dauerleistung des Aggregats sollte ~25 % über dem liegen, was gleichzeitig läuft. Und große Verbraucher — Wasserkocher, Boiler, Herd — nicht gleichzeitig einschalten: Dann genügt ein deutlich kleineres Gerät. All das berücksichtigt der Rechner automatisch.

Inverter oder klassisches Stromaggregat?

Ein Inverter-Aggregat erzeugt den Wechselstrom über Elektronik, die Spannung ist daher sauber (Oberschwingungsgehalt THD meist < 3 %). Es eignet sich für Thermensteuerungen, Computer und Medizingeräte und senkt bei geringer Last die Drehzahl — leiser und sparsamer.

Ein Aggregat im offenen Rahmen (klassisch) dreht immer mit 3.000 U/min, ist pro Kilowatt günstiger, aber lauter. Wenn Sie so eines wählen, achten Sie auf AVR (automatische Spannungsregelung) und THD < 5 %. Für großen Drehstrombedarf wird oft ein stationäres Dieselaggregat gewählt.

Treibstoff: Benzin ist am leichtesten zu bekommen, altert aber schnell. Diesel ist sparsamer und sicherer zu lagern, Diesel-Aggregate sind jedoch teurer und schwerer. Flüssiggas (LPG in Flaschen) verdirbt nicht und lässt sich jahrelang lagern — Dual-Fuel-Modelle (Benzin + Gas) sind ein guter Kompromiss.

Sicherer Anschluss: Was Netzbetreiber verlangen

Die wichtigste Regel: Stecken Sie das Aggregat nie in eine Haussteckdose — etwa mit einem Kabel mit zwei Steckern. Die Spannung fließt über den Verteiler zurück ins Verteilernetz, der Transformator macht daraus Tausende Volt — das kann Techniker bei der Reparatur tödlich verletzen. Außerdem wird das Aggregat zerstört, wenn der Strom zurückkommt.

Netzbetreiber schreiben dafür eine eindeutige Trennung vor. Die Ausführungsbestimmungen der Netz Oberösterreich etwa verlangen bei manueller Umschaltung einen Ersatzstromumschalter mit Nullstellung (Netz – 0 – Aggregat), bei automatischer Umschaltung eine elektrisch und mechanisch verriegelte Schalteinrichtung; die Änderung der Anlage ist dem Netzbetreiber zu melden. Den Einbau übernimmt ein konzessionierter Elektrotechniker, der auch die Meldung erledigt. Für ortsfeste Aggregate kann zusätzlich eine Genehmigung nötig sein — in Wien etwa nach dem Wiener Elektrizitätswirtschaftsgesetz. Strom per Kabel an Nachbarn weiterzugeben ist keine gute Idee.

Den Umschalter kann man für das ganze Haus oder nur für einen eigenen Unterverteiler mit den wichtigsten Stromkreisen (Heizung, Kühlschrank, Licht) einbauen lassen. Die zweite Variante ist günstiger und kommt mit einem kleineren Aggregat aus. Ohne Umschalter schließen Sie Geräte direkt an den Steckdosen des Aggregats an — mit einem Außen-Verlängerungskabel (mindestens 3×2,5 mm²).

Gasthermen sind besonders empfindlich: Viele zünden nicht, wenn im Stecker Phase und Neutralleiter vertauscht sind oder die Erdung fehlt. Ein Grund mehr, den Anschluss dem Elektriker zu überlassen und ihn vorab zu testen.

Warum die PV-Anlage beim Blackout nicht hilft

Für viele Anlagenbesitzer eine Überraschung: Ein normaler Netz-Wechselrichter schaltet bei Netzausfall in Sekundenbruchteilen ab — eine vorgeschriebene Schutzfunktion, damit keine Spannung ins Netz gelangt. Selbst an einem sonnigen Tag versorgt die PV-Anlage das Haus ohne Netz also nicht.

Dafür braucht es einen Hybrid-Wechselrichter mit Speicher und Notstrom- bzw. Ersatzstromausgang (EPS / Backup), an dem die wichtigsten Stromkreise hängen. Manche Hybrid-Wechselrichter erlauben auch den Anschluss eines Aggregats. Wer einen Speicher plant, sollte diese Option gleich mit prüfen.

Treibstoff: wie viel, wo und wie lagern

Ein typisches 3-kW-Inverter-Aggregat mit ~1 kW mittlerer Last verbraucht etwa 0,8–0,9 l Benzin pro Stunde. Im Taktbetrieb von 3–4 Stunden (genug, damit Kühlschrank und Heizung nachziehen) sind das ~10 l pro Tag, in 72 Stunden ~30 l — für die vom Zivilschutz empfohlenen 10–14 Tage wären es 100 l und mehr.

Lagergrenzen: Die Lagerung brennbarer Flüssigkeiten regeln in Österreich die Bundesländer. In Niederösterreich dürfen laut § 33 NÖ Bautechnikverordnung 2014 in Garagen bis 250 m² höchstens 25 l brennbare Flüssigkeiten gelagert werden. Andere Bundesländer haben eigene Bau- und Feuerpolizeivorschriften — fragen Sie bei Gemeinde oder Feuerwehr nach. Ein größerer Benzinvorrat ist daher kaum legal unterzubringen; für längere Vorsorge sind Powerstation, PV-Speicher oder Flüssiggas praktikabler.

  • Benzin ohne Zusätze hält 3–6 Monate, mit Stabilisator bis zu einem Jahr.
  • Vorrat umwälzen: alle paar Monate ins Auto tanken und frisch kaufen.
  • Für lange Lagerung am bequemsten ist Gas: LPG-Flaschen verderben nicht.
  • Nie ein heißes Aggregat betanken — erst abkühlen lassen.

Kohlenmonoxid: die unsichtbare Gefahr

Jedes Jahr vergiften sich Menschen mit den Abgasen von Stromaggregaten, weil sie sie in der Garage oder am offenen Fenster laufen lassen. Kohlenmonoxid ist geruch- und farblos. Die ersten Anzeichen — Kopfweh, Schwindel, Übelkeit — werden leicht mit Müdigkeit verwechselt.

  • Aggregat nur im Freien betreiben, mindestens 6 Meter von Fenstern, Türen und Lüftungsöffnungen.
  • Auspuff vom Haus weg richten.
  • Vor Regen mit einem Dach schützen, aber nicht in einem geschlossenen Unterstand.
  • Im Haus einen batteriebetriebenen CO-Melder anbringen — er kostet 20–30 €.

Wartung: damit es anspringt, wenn es drauf ankommt

Das häufigste Problem: Ein Aggregat, das ein Jahr lang stand, springt nicht an. Lassen Sie es monatlich 15–30 Minuten mit Last laufen (z. B. mit einem Heizlüfter), prüfen Sie das Öl und zu Saisonbeginn Zündkerze und Luftfilter. Steht das Gerät lange, den Vergaser leer laufen lassen oder Stabilisator verwenden.

Zeigen Sie der ganzen Familie, wie man das Aggregat startet und das Haus umschaltet — der Strom fällt oft gerade dann aus, wenn die Person, die sich auskennt, nicht da ist.

Checkliste

  • Liste der wichtigsten Geräte samt Leistung erstellt.
  • Aggregat oder Powerstation nach Anlaufleistung ausgewählt.
  • Elektriker hat den Netzumschalter eingebaut und dem Netzbetreiber gemeldet (oder Außen-Verlängerungskabel liegen bereit).
  • Im Haus: CO-Melder und Feuerlöscher.
  • Treibstoffvorrat für mindestens 72 Stunden, vorschriftsgemäß gelagert und regelmäßig erneuert.
  • Aggregat im letzten Monat unter echter Last getestet.
  • Powerbanks geladen, Radio mit Batterien, Taschenlampen, Vorräte für 10–14 Tage.
  • Alle im Haushalt wissen, wie alles eingeschaltet wird.

Oft gefragt

Welches Notstromaggregat für ein Haus mit Gastherme?

Für Therme, Kühlschrank, Licht und Kommunikation reicht meist ein Inverter mit 2–3 kW. Mit Hauswasserwerk 3,5–5 kW. Die Therme über einen Umschalter mit korrekter Erdung anschließen.

Darf man das Stromaggregat bei offenem Tor in der Garage laufen lassen?

Nein. Auch bei offenem Tor sammelt sich in der Garage eine gefährliche Kohlenmonoxid-Konzentration. Das Aggregat gehört ins Freie, mindestens 6 m von Fenstern und Türen.

Wie viel Benzin darf man zu Hause lagern?

Das regelt jedes Bundesland selbst. In Niederösterreich sind es in Garagen bis 250 m² höchstens 25 l brennbare Flüssigkeiten (§ 33 NÖ BTV 2014). Für andere Bundesländer fragen Sie bei Gemeinde oder Feuerwehr nach.

Funktioniert eine PV-Anlage beim Blackout?

Eine normale nicht: Der Netz-Wechselrichter schaltet aus Sicherheitsgründen ab. Nötig ist ein Hybrid-Wechselrichter mit Speicher und Notstromausgang.

Quellen

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