Netzkosten und Abgaben 2026: was auf der Stromrechnung wirklich steht
Rund die Hälfte der österreichischen Stromrechnung hat mit dem Lieferanten nichts zu tun: Netzkosten, Steuern und Abgaben sind gesetzlich oder behördlich festgelegt. 2026 bringt hier einige Änderungen — vor allem eine deutlich niedrigere Elektrizitätsabgabe, einen neuen Sommer-Netztarif und den Sozialtarif. Ein Überblick.
Drei Blöcke auf der Rechnung
Eine typische Rechnung eines Wiener Haushalts mit 3.500 kWh verteilt sich laut einer Marktanalyse ungefähr so: gut die Hälfte Energie, etwa ein Viertel Netzkosten, der Rest Steuern und Abgaben. Nur den ersten Block können Sie durch einen Lieferantenwechsel beeinflussen.
- Energie: Arbeitspreis und Grundgebühr des Lieferanten
- Netzkosten: vom Netzbetreiber verrechnet, Höhe per Verordnung der E-Control
- Steuern und Abgaben: Elektrizitätsabgabe, Erneuerbaren-Förderpauschale und -beitrag, in vielen Gemeinden Gebrauchsabgabe, zum Schluss 20 % Umsatzsteuer auf alles
Die Netzkosten im Detail
Die Systemnutzungsentgelte bestehen für Haushalte im Wesentlichen aus drei Posten: dem Netznutzungsentgelt (ein Arbeitspreis je kWh plus eine Pauschale), dem Netzverlustentgelt für Energie, die in den Leitungen verloren geht, und dem Messentgelt für den Zähler. Dazu kommen einmalige Entgelte beim Anschluss.
Für 2026 sind die Stromnetzentgelte im Österreich-Schnitt um 1,3 % gestiegen — laut E-Control rund 5 € im Jahr für einen Haushalt mit 3.500 kWh. Regional ist das Bild sehr unterschiedlich: In Burgenland und Tirol ging es deutlich nach oben, in Wien, Graz, Salzburg, Kärnten und Vorarlberg leicht nach unten.
Neu ist der Sommer-Netztarif: Haushalte auf Netzebene 7 können wählen, dass der Netz-Arbeitspreis von April bis Oktober zwischen 10 und 16 Uhr um 20 % niedriger ist. Außerdem wurden die Tarife vereinfacht — die Unterscheidung nach Sommer/Winter und Hoch-/Niedertarif im Netz fällt weg.
Steuern und Abgaben 2026
| Posten | 2026 | Anmerkung |
|---|---|---|
| Elektrizitätsabgabe (Haushalte) | 0,1 ct/kWh | statt 1,5 ct; nur für 2026 |
| Elektrizitätsabgabe (Unternehmen) | 0,82 ct/kWh | nur für 2026 |
| Erneuerbaren-Förderpauschale | rund 19 €/Jahr | je Zählpunkt, für 2025–2027 fix |
| Erneuerbaren-Förderbeitrag | je kWh | 2026 spürbar gesenkt |
| Umsatzsteuer | 20 % | auf die gesamte Rechnung |
Die Gebrauchsabgabe wird von vielen Gemeinden auf die Netzkosten eingehoben, ihre Höhe hängt vom Bundesland und der Gemeinde ab. Der Stromkostenzuschuss (Strompreisbremse) ist mit Ende 2024 ausgelaufen und spielt 2026 keine Rolle mehr.
Rechenbeispiel: was die niedrigere Abgabe bringt
Die Elektrizitätsabgabe sinkt für Haushalte von 1,5 auf 0,1 ct/kWh, also um 1,4 ct. Bei 3.500 kWh sind das 49 € netto, mit Umsatzsteuer rund 59 € im Jahr. Ein Haushalt mit Wärmepumpe und 8.000 kWh spart etwa 134 € brutto. Weil die Senkung nur für 2026 gilt, ist 2027 wieder mit dem alten Satz zu rechnen, sofern der Gesetzgeber nichts anderes beschließt.
Zum Vergleich der Sommer-Netztarif: Angenommen, der Netz-Arbeitspreis beträgt 6 ct/kWh netto und Sie verbrauchen 1.000 kWh im begünstigten Zeitfenster. Dann sparen Sie 20 % davon, also 12 € netto — mit E-Auto oder Wärmepumpe entsprechend mehr.
So lesen Sie die Jahresabrechnung
Die Jahresabrechnung weist Energie und Netz meist getrennt aus, auch wenn beides auf einer Rechnung steht. Achten Sie zuerst auf den verrechneten Verbrauch und darauf, ob er auf echten Messwerten des Smart Meters beruht oder geschätzt wurde. Danach lohnt der Vergleich des Energie-Arbeitspreises mit aktuellen Angeboten im Tarifkalkulator der E-Control — dort werden Netzkosten und Abgaben für Ihre Postleitzahl automatisch mitgerechnet.
Die Netzkosten erkennen Sie an Begriffen wie Netznutzung, Netzverlust und Messung. Weichen sie stark vom Vorjahr ab, liegt das meist an einer neuen Verordnung oder an einem geänderten Verbrauch, nicht am Lieferanten. Steuern und Abgaben stehen oft gesammelt am Ende; die Elektrizitätsabgabe sollte 2026 für Haushalte nur noch einen sehr kleinen Betrag ausmachen.
Sozialtarif seit April 2026
Seit 1. April 2026 gibt es einen Sozialtarif: Haushalte, die vom ORF-Beitrag befreit sind, erhalten bis zu 2.900 kWh im Jahr zu einem Energiepreis von 6 ct/kWh netto. Für 2.900 kWh macht das 174 € netto für die Energie. Netzkosten und Abgaben kommen auch hier dazu, die Befreiung von der Erneuerbaren-Förderung bleibt für diese Haushalte wie bisher bestehen.
Einen eigenen Antrag beim Lieferanten braucht es nicht: Maßgeblich ist die Befreiung beim ORF-Beitrags Service (OBS), der sie an den Lieferanten meldet. Wer glaubt, Anspruch zu haben, sollte die Befreiung rasch beantragen tun — und sich außerdem den Verbrauch der Geräte ansehen: Stromverbrauch von Haushaltsgeräten.
Oft gefragt
Kann ich mir den Netzbetreiber aussuchen?
Nein. Der Netzbetreiber ergibt sich aus der Adresse, die Netzkosten legt die E-Control fest. Frei wählbar ist nur der Lieferant für die Energie.
Gilt die niedrige Elektrizitätsabgabe automatisch?
Ja, für Haushaltskunden wird sie vom Netzbetreiber automatisch mit 0,1 ct/kWh verrechnet, ein Antrag ist nicht nötig.
Muss ich den Sommer-Netztarif beantragen?
Ja, das Modell ist freiwillig. Fragen Sie Ihren Netzbetreiber, wie die Umstellung funktioniert.
Quellen
- E-Control – Stromnetzentgelte 2026 (Presseinformation)
- Parlament – Budgetdienst: Senkung der Elektrizitätsabgabe 2026
- Vorarlberg Netz – FAQ Entgelte und Abgaben
- verbraucherrecht.at – Elektrizitätswirtschaftsgesetz (Sozialtarif)
- Stromliste – Zusammensetzung des Strompreises 2026
Vorsorge für den Blackout: Notstromaggregat, Powerstation und sicherer Anschluss
Ratgeber: welches Notstromaggregat oder welche Powerstation, wie man sie sicher ans Haus anschließt und wie viel Treibstoff man lagern darf.
Stromverbrauch im Haushalt: wie viel ist in Österreich normal?
Stromverbrauch österreichischer Haushalte nach Personenzahl, mit und ohne elektrisches Warmwasser: wohin der Strom geht und was er kostet.
Dynamischer Stromtarif in Österreich: für wen sich Stundenpreise auszahlen
Wie Stundentarife in Österreich funktionieren, was aWATTar und smartENERGY verlangen, welche Rolle der Smart Meter spielt und wann sich der Wechsel lohnt.
PV-Anlage in Österreich: Eigenverbrauch, OeMAG-Einspeisung und Energiegemeinschaft
Was Überschussstrom aus der PV-Anlage 2026 bringt: OeMAG-Marktpreis, Förderung, Steuerfreigrenze und Energiegemeinschaften — mit Rechenbeispiel.