1. Startseite
  2. Ratgeber
  3. Stromanbieter wechseln

Stromanbieter wechseln in Österreich: mit dem Tarifkalkulator richtig vergleichen

Viele Haushalte in Österreich beziehen ihren Strom noch immer vom Landesenergieversorger, bei dem schon die Eltern Kunde waren. Dabei ist der Wechsel kostenlos, dauert wenige Minuten Papierarbeit und wird fast vollständig vom neuen Lieferanten erledigt. Worauf es ankommt, ist ein ehrlicher Vergleich — und der gelingt am besten mit dem amtlichen Tarifkalkulator.

Wie sich der Großhandelspreis zuletzt entwickelt hat: Strompreisentwicklung und Monatsberichte.

Was Sie wechseln können — und was nicht

Auf der Stromrechnung stecken zwei Verträge: einer mit dem Lieferanten für die Energie und einer mit dem Netzbetreiber für Leitung und Zähler. Den Netzbetreiber bestimmt Ihre Adresse, seine Entgelte legt die E-Control fest. Wechseln können Sie nur den Lieferanten. Der Strom kommt danach weiterhin über dieselbe Leitung, am Zähler ändert sich nichts, und eine Unterbrechung der Versorgung gibt es nicht.

Damit ist auch klar, wo das Sparpotenzial liegt: beim Energiepreis je Kilowattstunde und bei der Grundgebühr des Lieferanten. Netzkosten und Abgaben bleiben gleich, egal bei wem Sie sind — Details dazu im Beitrag Netzkosten und Abgaben 2026.

Der Tarifkalkulator der E-Control

Die Regulierungsbehörde E-Control betreibt einen kostenlosen, werbefreien Tarifkalkulator. Sie geben Postleitzahl und Jahresverbrauch ein und erhalten die Angebote aller Lieferanten, die an Ihrer Adresse liefern — inklusive Netzkosten und Abgaben, also mit dem Betrag, den Sie am Ende tatsächlich zahlen. Zu jedem Tarif gibt es Preisblatt und Geschäftsbedingungen.

Ein Punkt verdient Aufmerksamkeit: In der Grundeinstellung rechnet der Kalkulator Neukunden- und Wechselrabatte mit ein. Darauf weist auch die Arbeiterkammer hin. Ein Tarif, der dank eines hohen Rabatts im ersten Jahr ganz oben steht, kann ab dem zweiten Jahr teurer sein als der bisherige. Schalten Sie Rabatte testweise aus oder rechnen Sie zwei Jahre durch.

  • Echten Jahresverbrauch von der letzten Abrechnung übernehmen, nicht schätzen
  • Preisart beachten: Fixpreis mit Garantie, variabler Preis mit regelmäßiger Anpassung oder Stundentarif
  • Bindung und Kündigungsfrist im Preisblatt nachlesen
  • Grundgebühr bei geringem Verbrauch besonders gewichten

So läuft der Wechsel ab

Haben Sie ein Angebot gewählt, schließen Sie den Vertrag online oder schriftlich ab und bevollmächtigen den neuen Lieferanten, beim alten zu kündigen. Dafür brauchen Sie die Zählpunktnummer — eine 33-stellige Kennung, die mit „AT“ beginnt und auf jeder Stromrechnung steht. Alles Weitere wickeln neuer Lieferant und Netzbetreiber untereinander ab.

Laut Arbeiterkammer dauert der gesamte Wechsel bis zu drei Wochen. Haushalte können einen unbefristeten Liefervertrag grundsätzlich mit einer Frist von zwei Wochen kündigen; bei Tarifen mit Mindestbindung gilt, was im Vertrag steht. Mit dem Smart Meter wird der Zählerstand zum Stichtag automatisch übermittelt — lesen Sie ihn trotzdem ab, als eigene Kontrolle für die Schlussrechnung.

Rechenbeispiel: 3.500 kWh im Jahr

Ein Haushalt zahlt beim bisherigen Lieferanten 16 ct/kWh netto für die Energie und 4 € netto Grundgebühr im Monat. Ein Alternativangebot kostet 12 ct/kWh bei 3 € Grundgebühr, ohne Rabatt. Die Werte sind Annahmen, die aktuellen Preise für Ihre Postleitzahl zeigt der Tarifkalkulator.

PostenBisherNeu
Energie 3.500 kWh560 €420 €
Grundgebühr 12 Monate48 €36 €
Summe netto608 €456 €
Summe brutto (20 % USt.)≈ 730 €≈ 547 €

Die Ersparnis von gut 180 € im Jahr ergibt sich allein aus dem Energieteil. Wer weniger verbraucht, spart entsprechend weniger — bei 1.500 kWh bleibt ein Unterschied von rund 90 €. Ein einmaliger Neukundenbonus von 100 € würde im ersten Jahr mehr versprechen, als der Tarif dauerhaft hält.

Wann sich ein zweiter Blick lohnt

Nach einer Preiserhöhung oder einer Änderung der Geschäftsbedingungen muss der Lieferant Sie informieren, und Sie können den Vertrag in der Regel kündigen. Das ist ein guter Anlass für einen neuen Vergleich. Auch sonst lohnt es sich, einmal im Jahr nach der Jahresabrechnung den Tarifkalkulator anzuwerfen.

Wer ein E-Auto lädt, eine Wärmepumpe betreibt oder eine PV-Anlage hat, sollte neben Fixpreisen auch Stundentarife prüfen — siehe Dynamischer Stromtarif. Und wer vom ORF-Beitrag befreit ist, hat unabhängig vom Lieferanten Anspruch auf den Sozialtarif.

Oft gefragt

Kostet der Wechsel des Stromlieferanten etwas?

Nein. Der Wechsel selbst ist kostenlos, weder der alte noch der neue Lieferant noch der Netzbetreiber dürfen dafür Gebühren verlangen.

Kann mir beim Wechsel der Strom abgedreht werden?

Nein. Der Strom fließt weiter über dasselbe Netz. Nur der Lieferant, der die Energie verrechnet, ändert sich.

Wo finde ich die Zählpunktnummer?

Auf der Stromrechnung oder im Kundenportal des Netzbetreibers. Sie beginnt mit AT und hat 33 Stellen.

Ist der günstigste Tarif im Kalkulator immer der beste?

Nicht unbedingt. Prüfen Sie, ob Rabatte nur im ersten Jahr gelten, ob der Preis fix oder variabel ist und wie lange Sie gebunden sind.

Quellen

Mehr zum Thema