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Dynamischer Stromtarif in Österreich: für wen sich Stundenpreise auszahlen

Fast jeder Haushalt in Österreich hat inzwischen einen Smart Meter — und damit die technische Voraussetzung für einen Stromtarif, der sich Stunde für Stunde nach der Börse richtet. Seit dem neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetz ist das Thema auch rechtlich aufgewertet. Ob sich ein solcher Tarif auszahlt, hängt aber weniger vom Anbieter ab als davon, wie flexibel Ihr Verbrauch ist.

Die Preise von heute und morgen: Strompreis heute und Strompreis morgen.

So funktioniert ein Stundentarif

Bei einem dynamischen Tarif zahlen Sie für die Energie den Day-Ahead-Preis der Preiszone Österreich (EPEX Spot AT) in der jeweiligen Stunde, dazu einen fixen Aufschlag je Kilowattstunde und eine monatliche Grundgebühr. Die Preise für den nächsten Tag stehen jeden Mittag fest. Wer sie kennt, kann Waschmaschine, Boiler oder Wallbox gezielt in billige Stunden legen.

Wichtig: Der dynamische Teil betrifft nur die Energie. Netzkosten, Elektrizitätsabgabe, Erneuerbaren-Förderbeiträge und Umsatzsteuer bleiben gleich — mehr dazu im Beitrag Netzkosten und Abgaben 2026.

Anbieter und Konditionen

Stundentarife gibt es in Österreich schon länger als in den meisten Nachbarländern. Zwei bekannte Beispiele laut Preisblatt (Stand September 2026):

TarifAufschlagGrundgebührAbrechnung
aWATTar HOURLY1,5 ct/kWh netto zum Börsenpreis5,75 € brutto/Monatstündlich
smartENERGY smartCONTROL1,44 ct/kWh brutto zum Börsenpreis2,99 € brutto/Monatstündlich, Messung je Viertelstunde

Daneben bieten weitere Lieferanten Floater an, die sich monatlich am Börsenmittel orientieren. Das ist kein echter Stundentarif: Wann Sie den Strom verbrauchen, spielt dabei keine Rolle. Aktuelle Angebote für Ihre Postleitzahl vergleicht der Tarifkalkulator der E-Control.

Ohne Viertelstundenwerte geht es nicht

Laut E-Control waren Ende 2024 rund 96,9 % aller Zählpunkte mit einem Smart Meter ausgestattet. Nur etwa jeder achte Zähler übermittelte aber Viertelstundenwerte — und genau die braucht ein Stundentarif. In der Standardeinstellung liefert der Smart Meter nur einen Tageswert.

Die Umstellung beantragen Sie beim Netzbetreiber (Opt-in für Viertelstundenwerte), bei vielen Netzbetreibern geht das online im Kundenportal. Manche Lieferanten erledigen den Schritt beim Vertragswechsel gleich mit.

Rechenbeispiel: Haushalt mit E-Auto

Ein Haushalt braucht 3.500 kWh im Jahr, dazu kommen 2.700 kWh für ein E-Auto. Angenommen, der Fixpreis für Energie liegt bei 18 ct/kWh brutto. Beim Stundentarif gehen wir von einem Börsenmittel von 9 ct netto aus; der Haushaltsstrom fällt eher zu teuren Zeiten an (effektiv 10 ct), das Auto lädt in den billigsten Stunden (effektiv 6 ct).

  • Haushalt: (10 + 1,5) × 1,2 = 13,8 ct statt 18 ct → rund 147 € weniger
  • E-Auto: (6 + 1,5) × 1,2 = 9 ct statt 18 ct → rund 243 € weniger
  • Abzüglich eventuell höherer Grundgebühr bleiben grob 300–350 € im Jahr

Die Zahlen sind ein Beispiel, keine Prognose. In einem kalten, windstillen Winter kann das Börsenmittel deutlich höher liegen. Haushalte ohne verschiebbare Verbraucher sparen meist nur wenig und tragen dafür das Preisrisiko.

Was das ElWG ändert

Mit dem Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG), weitgehend in Kraft seit 24. Dezember 2025, haben Haushalte seit 1. April 2026 grundsätzlich Anspruch darauf, zwischen festen und dynamischen Preisen wählen zu können. Das Gesetz regelt außerdem, dass Preissenkungen bei den Beschaffungskosten innerhalb von sechs Monaten weitergegeben werden müssen.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher heißt das: Der Stundentarif ist kein Nischenprodukt mehr. Wer ohnehin ein E-Auto oder eine PV-Anlage plant, sollte ihn mitdenken — siehe E-Auto daheim laden.

Worauf Sie vor dem Wechsel achten sollten

Ein Stundentarif belohnt Disziplin. Bevor Sie wechseln, lohnt ein ehrlicher Blick auf den eigenen Alltag: Welche Geräte lassen sich tatsächlich zeitversetzt starten, und wer kümmert sich darum? Waschmaschine und Geschirrspüler mit Startzeitvorwahl sind einfach, ein Boiler mit Zeitschaltuhr oder Smart-Relais ebenso. Eine Wärmepumpe lässt sich über die Steuerung oft nur begrenzt verschieben, weil das Haus sonst auskühlt.

  • Vertrag: Bindung, Kündigungsfrist und ob der Aufschlag fix ist
  • Grundgebühr: bei geringem Verbrauch fällt sie stärker ins Gewicht als der Aufschlag
  • App oder Schnittstelle: Ohne automatische Steuerung wird das Verschieben schnell mühsam
  • Abschlagszahlungen: Bei Stundentarifen schwanken die Monatsbeträge stärker

Sehen Sie sich vor der Entscheidung ruhig ein paar Wochen lang die Preiskurve an. Wie groß der Abstand zwischen Mittag, Abend und Nacht in Österreich typischerweise ist, zeigt die monatliche Auswertung.

Oft gefragt

Brauche ich für einen Stundentarif einen neuen Zähler?

Meist nicht. Fast überall ist schon ein Smart Meter eingebaut. Er muss aber auf Viertelstundenwerte umgestellt werden, das beantragen Sie beim Netzbetreiber.

Kann ich jederzeit zurück zum Fixpreis?

Das hängt vom Vertrag ab. Viele Stundentarife haben keine Bindung und sind monatlich kündbar; prüfen Sie die Kündigungsfrist vor Vertragsabschluss.

Werden auch die Netzkosten stündlich verrechnet?

Nein. Der Stundenpreis gilt nur für die Energie. Netzkosten und Abgaben bleiben gleich; zusätzlich gibt es seit 2026 den Sommer-Netztarif mit niedrigerem Arbeitspreis zu Mittag.

Lohnt sich ein Stundentarif ohne E-Auto oder Wärmepumpe?

Selten deutlich. Ohne größere verschiebbare Verbraucher ist der Vorteil klein, das Risiko teurer Wintermonate bleibt.

Quellen

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