Nachtspeicherheizung: was sie kostet und welche Alternativen es gibt
Nachtspeicheröfen wurden vor allem in den 1960er- bis 1980er-Jahren eingebaut, als nachts billiger Grundlaststrom zur Verfügung stand. Heute gehören sie zu den teuersten Arten zu heizen. Verboten sind sie trotzdem nicht — und in manchen Fällen ist Weiterbetreiben sinnvoller als ein schneller Austausch.
Wie eine Nachtspeicherheizung funktioniert
Ein Nachtspeicherofen enthält einen Kern aus Speichersteinen, der mit Strom aufgeheizt wird — klassisch in den Nachtstunden zum günstigeren Niedertarif (NT). Tagsüber gibt der Ofen die Wärme über ein Gebläse oder freie Abstrahlung ab. Aus einer Kilowattstunde Strom wird dabei höchstens eine Kilowattstunde Wärme; eine Wärmepumpe macht aus derselben Menge das Drei- bis Vierfache.
Nach Schätzungen des Portals energie-experten.org heizen in Deutschland noch rund 1,5 Millionen Wohnungen mit Nachtspeicheröfen, besonders viele in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg und Hamburg.
Verbrauch und Kosten
Der Energieversorger ENTEGA nennt als Faustwert rund 120 kWh Strom pro Quadratmeter und Jahr bei ordentlicher Dämmung. Daraus ergeben sich typische Größenordnungen:
| Wohnung | Heizstrom pro Jahr |
|---|---|
| 50–60 m² | 6.000–7.200 kWh |
| 70–80 m² | 8.400–9.600 kWh |
| 90–100 m² | 10.800–12.000 kWh |
Dazu kommt der normale Haushaltsstrom. Für Nachtspeicher gibt es eigene Heizstromtarife, oft mit getrennten Preisen für Hoch- und Niedertarif. Sie sind günstiger als Haushaltsstrom, weil Netzbetreiber für diese unterbrechbaren Verbrauchseinrichtungen deutlich niedrigere Netzentgelte berechnen und teils eine geringere Konzessionsabgabe gilt. Die Preise unterscheiden sich regional stark; ein Vergleich lohnt sich, denn auch Heizstromkunden können den Anbieter wechseln — siehe Stromanbieter wechseln.
Was das Gesetz sagt
Ein Verbot gibt es nicht. Die 2009 beschlossene Pflicht, Nachtspeicherheizungen in größeren Gebäuden stillzulegen, wurde 2013 wieder aufgehoben. Auch das Gebäudemodernisierungsgesetz, das seit dem 29. Juli 2026 das bisherige Gebäudeenergiegesetz ablöst und die 65-Prozent-Regel für neue Heizungen abgeschafft hat, zwingt Eigentümer nicht zum Austausch funktionierender Nachtspeicheröfen.
Nachtspeicheröfen, die nach altem Recht mit einem reduzierten Netzentgelt und Sperrzeiten angeschlossen sind, fallen unter Übergangsregeln: Diese Vereinbarungen laufen bis Ende 2028 aus. Ein freiwilliger Wechsel in die neuen Module nach § 14a EnWG ist möglich.
Vorsicht bei alten Geräten: Ältere Öfen können Asbest und andere Schadstoffe enthalten. Öffnen oder zerlegen Sie sie nicht selbst; Ausbau und Entsorgung gehören in die Hände eines Fachbetriebs.
Was Mieter selbst tun können
Mieter können die Heizung nicht austauschen, die Kosten aber trotzdem beeinflussen. Der größte Hebel ist meist der Tarif: Viele Haushalte mit Nachtspeicher sind nie aus dem Heizstromtarif des örtlichen Versorgers gewechselt. Außerdem lohnt es sich, die Aufladesteuerung zu prüfen. Viele Anlagen haben einen Außentemperaturfühler, der die Aufladung an das Wetter anpasst; ist er defekt oder falsch eingestellt, laden die Öfen auch an milden Tagen voll auf. Im Frühjahr und Herbst hilft es, die Aufladung von Hand zu reduzieren. Und ungenutzte Räume müssen nicht voll beheizt werden. Wer den Austausch gegen eine effizientere Heizung für sinnvoll hält, kann den Vermieter darauf ansprechen — die Beispielrechnung unten zeigt, welche Größenordnungen im Spiel sind.
Beispielrechnung: 75-m²-Wohnung
Eine 75-m²-Wohnung braucht nach dem Faustwert rund 9.000 kWh Heizstrom im Jahr. Für die Illustration nehmen wir einen Heizstrompreis von 30 ct/kWh und für den Haushaltsstrom 33 ct/kWh an. Als Alternative rechnen wir mit einer Luft-Luft-Wärmepumpe (Split-Klimagerät) und einer angenommenen Jahresarbeitszahl von 3:
| Heizung | Strombedarf | Kosten pro Jahr |
|---|---|---|
| Nachtspeicher, 30 ct/kWh | 9.000 kWh | rund 2.700 € |
| Infrarotheizung, 33 ct/kWh | etwa 9.000 kWh | rund 2.970 € |
| Luft-Luft-Wärmepumpe (JAZ 3), 33 ct/kWh | 3.000 kWh | rund 990 € |
Die Preise sind Annahmen, keine aktuellen Tarife. Die Rechnung zeigt aber das Prinzip: Eine andere Form der Direktheizung (wie Infrarot) spart kaum Energie, weil auch sie eine Kilowattstunde Strom in eine Kilowattstunde Wärme verwandelt. Nur eine Wärmepumpe senkt den Stromverbrauch deutlich.
Alternativen im Überblick
- Neue, elektronisch geregelte Speicheröfen: kosten laut energie-experten.org rund 500 bis 1.000 Euro pro Gerät und sparen etwa 10 Prozent — eine Zwischenlösung für Mietwohnungen.
- Luft-Luft-Wärmepumpe: für Wohnungen ohne Heizkörper-Wasserkreislauf die naheliegende Alternative; kühlt im Sommer zusätzlich.
- Luft-Wasser-Wärmepumpe mit Heizkörpern: im Einfamilienhaus die gründlichste Lösung, aber mit hohem Umbauaufwand. Zum Verbrauch siehe Wärmepumpe: Stromverbrauch und Kosten.
- Fernwärme: wo ein Anschluss möglich ist, oft die einfachste Variante im Mehrfamilienhaus.
- Dynamischer Stromtarif: Speicheröfen sind eigentlich ideal, um billige Börsenstunden zu nutzen. Voraussetzung sind eine steuerbare Aufladung und ein Smart Meter — siehe dynamischer Stromtarif.
Häufige Fragen
Sind Nachtspeicherheizungen verboten?
Nein. Das 2009 beschlossene Stilllegungsgebot wurde 2013 aufgehoben, funktionierende Geräte dürfen weiter betrieben werden.
Wie viel Strom verbraucht eine Nachtspeicherheizung?
Als Faustwert rund 120 kWh pro Quadratmeter und Jahr, bei einer 70-m²-Wohnung also etwa 8.400 kWh.
Ist eine Infrarotheizung günstiger als Nachtspeicher?
Kaum. Beide wandeln Strom eins zu eins in Wärme um. Infrarot lässt sich besser regeln, läuft aber meist mit teurerem Haushaltsstrom.
Enthält meine Nachtspeicherheizung Asbest?
Bei älteren Geräten ist das möglich. Das Typenschild und der Hersteller geben Auskunft; öffnen Sie das Gerät nicht selbst.
Quellen
- energie-experten.org – Nachtspeicherheizung: Technik, Stromkosten und Austausch
- ENTEGA – Nachtspeicherheizung: Kosten und Verbrauch
- Haufe – Gebäudemodernisierungsgesetz in Kraft
- Bundesnetzagentur – Steuerbare Verbrauchseinrichtungen
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