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Dynamischer Stromtarif: wie er funktioniert und wann er sich lohnt

Bei einem dynamischen Stromtarif zahlen Sie für die Energie keinen festen Preis, sondern den jeweils aktuellen Börsenpreis. Seit 2025 muss jeder Stromlieferant in Deutschland einen solchen Tarif anbieten. Ob er sich für Sie rechnet, hängt vor allem davon ab, wie viel Verbrauch Sie zeitlich verschieben können.

Aktuelle Preise: Börsenstrompreis heute — eigene Rechnung mit echten Preisen: Rechner für dynamische Stromtarife.

So funktioniert ein dynamischer Tarif

Grundlage ist der Day-Ahead-Handel an der Strombörse EPEX Spot. Dort wird am Vortag für jedes Zeitintervall des nächsten Tages ein Preis ermittelt. Nach Angaben der Verbraucherzentrale ändert sich der Preis bei dynamischen Tarifen in der Regel alle 15 Minuten. Der Anbieter gibt diesen Börsenpreis weiter und schlägt eine monatliche Grundgebühr und oft einen kleinen Aufschlag pro Kilowattstunde auf.

Wichtig ist: Nur ein Teil des Endpreises schwankt. Netzentgelte, Umlagen, Stromsteuer, Konzessionsabgabe und Mehrwertsteuer bleiben gleich, egal ob die Börse gerade 2 oder 20 Cent verlangt. Laut BDEW-Strompreisanalyse entfallen 2026 bei einem durchschnittlichen Haushaltspreis von 37,0 ct/kWh rund 15,2 ct auf Beschaffung und Vertrieb, 9,2 ct auf Netzentgelte und 12,6 ct auf Steuern, Abgaben und Umlagen. Der Hebel eines dynamischen Tarifs liegt also im ersten Block.

Typisch ist ein Tagesmuster: Mittags drückt Solarstrom die Preise, an sonnigen Wochenenden teilweise sogar unter null. Abends zwischen etwa 17 und 21 Uhr ist Strom meist am teuersten. Wie stark die Preise im Verlauf schwanken, zeigt der Preisverlauf.

Voraussetzung: Smart Meter

Ohne intelligentes Messsystem geht es nicht, denn der Verbrauch muss viertelstundengenau erfasst werden. Die Bundesnetzagentur weist darauf hin, dass die Einzelheiten zum Einbau beim Messstellenbetreiber (meist der Netzbetreiber) oder beim Lieferanten zu erfragen sind.

Seit dem 1. Januar 2025 können Sie den Einbau selbst verlangen. Nach Angaben der Verbraucherzentrale darf dafür einmalig höchstens 100 Euro berechnet werden. Der laufende Betrieb kostet für normale Haushalte bis zu 40 Euro im Jahr, mit Wärmepumpe oder Wallbox bis zu 50 Euro. Diese Kosten müssen die Ersparnis erst einmal hereinholen.

Welche Anbieter gibt es?

Seit 2025 ist der dynamische Tarif Pflicht für alle Stromlieferanten (§ 41a EnWG), vorher galt das nur für Unternehmen mit mehr als 100.000 Kunden. Praktisch hat damit auch jedes Stadtwerk ein Angebot. Bekannt geworden sind vor allem Anbieter, die sich darauf spezialisiert haben, etwa Tibber, Rabot Energy, ostrom (SimplyDynamic), Octopus Energy (Dynamic Octopus), 1KOMMA5° (Dynamic Pulse) oder aWATTar.

Grundgebühren und Aufschläge ändern sich häufig, deshalb nennen wir hier keine Preise. Vergleichen Sie beim Abschluss vor allem drei Dinge: die monatliche Grundgebühr, den Aufschlag pro kWh auf den Börsenpreis und die Kündigungsfrist. Laut Bundesnetzagentur ist eine monatliche Kündigung verbreitet, ein besonderes Kündigungsrecht beim Wechsel in einen dynamischen Tarif gibt es aber nicht.

Für wen lohnt es sich?

Die Verbraucherzentrale ist deutlich: Das Preisrisiko liegt komplett bei den Kundinnen und Kunden. Für Haushalte mit durchschnittlichem Verbrauch, die abends kochen, waschen und fernsehen, überwiegen oft die Risiken. Interessant wird es mit großen, flexiblen Verbrauchern:

  • Elektroauto: Laden nachts oder mittags statt direkt nach Feierabend. Verbrauchswerte einzelner Modelle finden Sie unter Elektroautos.
  • Wärmepumpe mit Pufferspeicher oder gut gedämmtem Haus, die teure Stunden überbrücken kann.
  • Batteriespeicher, der bei niedrigen Preisen lädt.
  • Geräte mit Startzeitvorwahl wie Spül- oder Waschmaschine — der Effekt ist hier aber klein.

Ein dynamischer Tarif lässt sich außerdem mit Modul 3 der Netzentgelt-Rabatte nach § 14a EnWG kombinieren, sofern Sie eine steuerbare Wärmepumpe oder Wallbox haben.

Beispielrechnung

Angenommen, ein Haushalt verbraucht 4.500 kWh im Jahr, davon 2.500 kWh für ein Elektroauto. Gelingt es, das Auto überwiegend in Stunden zu laden, in denen der Börsenpreis im Schnitt 6 Cent unter dem Preis liegt, den ein Festpreistarif einkalkuliert, ergibt sich:

PostenBetrag pro Jahr
Ersparnis Ladestrom (2.500 kWh × 6 ct)+150 €
Smart Meter (laufend, Obergrenze mit Wallbox)−50 €
Restlicher Verbrauch (2.000 kWh) ohne Verschiebungetwa ±0 €, mit Risiko
Ergebnisrund +100 €

Die 6 Cent sind eine Annahme für diese Illustration, keine Garantie. Hinzu kommt im ersten Jahr gegebenenfalls die Einbaugebühr von bis zu 100 Euro. Ohne Elektroauto oder Wärmepumpe schrumpft die mögliche Ersparnis meist auf wenige Euro, während ein Winter mit hohen Abendpreisen den Vorteil schnell aufzehren kann. Mit dem Rechner können Sie die Rechnung mit tatsächlichen deutschen Börsenpreisen der Vergangenheit für Ihr eigenes Profil wiederholen.

Häufige Fragen

Muss mein Stromanbieter einen dynamischen Tarif anbieten?

Ja. Seit dem 1. Januar 2025 sind alle Stromlieferanten verpflichtet, Kunden mit intelligentem Messsystem einen dynamischen Tarif anzubieten.

Brauche ich zwingend einen Smart Meter?

Ja. Ohne intelligentes Messsystem kann der Verbrauch nicht zeitgenau abgerechnet werden. Den Einbau können Sie beim Messstellenbetreiber beantragen.

Kann der Strompreis auch negativ werden?

Der Börsenpreis kann negativ werden. Da Netzentgelte, Steuern und Umlagen weiter anfallen, ist der Endpreis für Haushalte aber in aller Regel trotzdem positiv, nur eben sehr niedrig.

Lohnt sich ein dynamischer Tarif ohne E-Auto oder Wärmepumpe?

Meist kaum. Die verschiebbare Menge ist zu klein, um die Kosten für den Smart Meter und das Preisrisiko auszugleichen.

Quellen

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