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Wärmepumpe: wie viel Strom sie braucht und was ein Wärmepumpentarif bringt

Wie viel Strom eine Wärmepumpe verbraucht, hängt vor allem von zwei Größen ab: dem Wärmebedarf des Hauses und der Effizienz der Anlage. Wer beides kennt, kann die Stromkosten recht genau abschätzen — und entscheiden, ob sich ein eigener Wärmepumpentarif mit zweitem Zähler lohnt.

Wann Strom an der Börse günstig ist: Börsenstrompreis heute — Preise für den nächsten Tag: Strompreis morgen.

Die Formel: Wärmebedarf geteilt durch Jahresarbeitszahl

Eine Wärmepumpe erzeugt Wärme nicht aus Strom allein, sondern holt den größten Teil aus der Luft, dem Erdreich oder dem Grundwasser. Wie gut das gelingt, beschreibt die Jahresarbeitszahl (JAZ): Sie gibt an, wie viele Kilowattstunden Wärme die Anlage im Jahresmittel aus einer Kilowattstunde Strom macht. Die Rechnung ist einfach:

  • Stromverbrauch = Wärmebedarf ÷ JAZ

Den Wärmebedarf kennen Sie aus Ihrer bisherigen Heizkostenabrechnung. Bei einer Gasheizung entspricht der Gasverbrauch in kWh, multipliziert mit dem Wirkungsgrad des alten Kessels (grob 0,85 bis 0,9), ungefähr der Wärme, die das Haus inklusive Warmwasser gebraucht hat.

Welche Jahresarbeitszahl ist realistisch?

Das Fraunhofer ISE hat über vier Jahre 77 Wärmepumpen in Ein- bis Dreifamilienhäusern im Bestand vermessen. Das Ergebnis (veröffentlicht Ende 2025): Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichten im Mittel eine JAZ von 3,4 (Spanne 2,6 bis 4,9), Erdreich-Wärmepumpen im Mittel 4,3 (Spanne 3,6 bis 5,4).

Die Spanne zeigt, worauf es ankommt: Je niedriger die Vorlauftemperatur, desto effizienter arbeitet die Wärmepumpe. Große Heizflächen, Fußbodenheizung und ein sauber durchgeführter hydraulischer Abgleich helfen mehr als das letzte Prozent Wirkungsgrad auf dem Datenblatt. Eine schlecht eingestellte Anlage im unsanierten Altbau kann dagegen deutlich unter 3 liegen.

Wärmebedarf pro JahrJAZ 2,8JAZ 3,4JAZ 4,3
10.000 kWh3.570 kWh2.940 kWh2.330 kWh
15.000 kWh5.360 kWh4.410 kWh3.490 kWh
20.000 kWh7.140 kWh5.880 kWh4.650 kWh

Hinzu kommt der normale Haushaltsstrom, der je nach Personenzahl und Gebäude meist zwischen 1.500 und 4.000 kWh liegt — Details im Artikel Stromverbrauch im Haushalt.

Wärmepumpentarif oder normaler Stromtarif?

Für Wärmepumpen gibt es zwei Wege, die beide mit den Netzentgelt-Rabatten nach § 14a EnWG zusammenhängen:

  • Ein Zähler, ein Tarif (Modul 1): Die Wärmepumpe läuft über den Haushaltszähler, der Netzbetreiber gewährt eine feste jährliche Pauschale.
  • Eigener Zähler, Wärmepumpentarif (Modul 2): Das Netzentgelt für den Wärmepumpenstrom sinkt um 60 Prozent, dafür fallen ein zusätzlicher Grundpreis und Messkosten an.

Die Verbraucherzentrale NRW hat im Februar 2026 Wärmepumpentarife verglichen (23 Anbieter haben geantwortet). Bei Tarifen mit separatem Zähler lag der Arbeitspreis im Schnitt bei rund 24 ct/kWh (Spanne 20 bis 29 ct) bei einem Grundpreis von etwa 140 Euro im Jahr. Bei Tarifen ohne eigenen Zähler nach Modul 1 lag der Arbeitspreis im Schnitt bei 31,5 ct/kWh, die Pauschale bei rund 145 Euro jährlich.

Die Verbraucherschützer weisen auch auf einen Haken hin: Etwa ein Viertel der Anbieter rechnet die Netzentgelt-Reduzierung nicht in den angegebenen Preis ein. Fragen Sie deshalb nach, ob der genannte Arbeitspreis den Rabatt schon enthält oder ob er erst auf der Rechnung gutgeschrieben wird.

Beispielrechnung: Einfamilienhaus mit Luft-Wasser-Wärmepumpe

Ein Haus mit 15.000 kWh Wärmebedarf und einer Luft-Wasser-Wärmepumpe mit JAZ 3,4 braucht rund 4.410 kWh Strom im Jahr. Mit den Durchschnittswerten aus dem Marktcheck der Verbraucherzentrale NRW (Stand Februar 2026) ergibt sich für den Wärmepumpenstrom allein:

Variante4.410 kWh6.000 kWh
Modul 2: eigener Zähler, 24 ct/kWh + 140 € Grundpreisrund 1.200 €rund 1.580 €
Modul 1: Haushaltszähler, 31,5 ct/kWh − 145 € Pauschalerund 1.245 €rund 1.745 €

Bei rund 4.400 kWh liegen beide Varianten nah beieinander; die Messkosten für den zweiten Zähler und ein eventueller Umbau des Zählerschranks können den Vorteil von Modul 2 dann ganz aufzehren. Bei 6.000 kWh und mehr spricht die Rechnung klarer für den eigenen Wärmepumpentarif. Da Modul 1 keinen zusätzlichen Grundpreis verursacht, ist es für kleine, gut gedämmte Häuser oft die einfachere Wahl.

Die Preise sind Durchschnittswerte einer Stichprobe; seit dem Frühjahr sind die Großhandelspreise gestiegen. Rechnen Sie mit den konkreten Angeboten für Ihre Postleitzahl nach.

So senken Sie die Stromkosten der Wärmepumpe

  • Vorlauftemperatur prüfen: Jedes Grad weniger verbessert die JAZ. Lassen Sie die Heizkurve nach der ersten Heizperiode nachjustieren.
  • Stromzähler der Wärmepumpe ablesen: Aus Wärmemengenzähler und Stromzähler lässt sich die tatsächliche JAZ selbst ausrechnen.
  • Zeitvariable Preise nutzen: Mit Pufferspeicher oder gut gedämmtem Haus kann ein dynamischer Stromtarif teure Abendstunden umgehen.
  • Eigener Solarstrom: Vor allem für Warmwasser in der Übergangszeit — siehe Photovoltaik mit Speicher.

Häufige Fragen

Wie viel Strom verbraucht eine Wärmepumpe im Einfamilienhaus?

Häufig zwischen 3.000 und 6.000 kWh im Jahr. Genauer: Wärmebedarf des Hauses geteilt durch die Jahresarbeitszahl der Anlage.

Was ist eine gute Jahresarbeitszahl?

Im Fraunhofer-Feldtest im Bestand erreichten Luft-Wasser-Wärmepumpen im Mittel 3,4 und Erdreich-Wärmepumpen 4,3. Werte über 3 gelten bei Luft-Wasser-Geräten im Altbau als ordentlich.

Brauche ich für einen Wärmepumpentarif einen zweiten Zähler?

Für die 60-prozentige Netzentgelt-Reduzierung nach Modul 2 ja. Mit Modul 1 läuft die Wärmepumpe über den normalen Zähler, dafür gibt es eine jährliche Pauschale.

Lohnt sich ein dynamischer Stromtarif mit Wärmepumpe?

Wenn das Haus Wärme speichern kann und die Anlage steuerbar ist, oft ja. Ohne Speichermöglichkeit trägt man das Risiko teurer Abendpreise im Winter.

Quellen

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