Energiegemeinschaften: wie Sie auch ohne eigene PV-Anlage mitmachen und sparen
In Österreich gibt es inzwischen mehr als 11.000 Energiegemeinschaften. Mitmachen können nicht nur Hausbesitzer mit Solaranlage, sondern auch Mieterinnen und Mieter, die einfach Strom aus der Nachbarschaft beziehen möchten. Die Ersparnis ist überschaubar, aber sie kommt ohne Investition.
Das Prinzip in zwei Sätzen
Mitglieder mit PV-Anlage, Kleinwasserkraft oder Windrad stellen ihren Überschuss der Gemeinschaft zur Verfügung, andere Mitglieder verbrauchen ihn zeitgleich. Die Zuordnung passiert rechnerisch über die Viertelstundenwerte der Smart Meter — der Strom fließt physisch über das normale Netz.
Was die Gemeinschaft nicht decken kann, liefert weiterhin Ihr bisheriger Lieferant. Sie brauchen also immer noch einen normalen Stromvertrag; die Energiegemeinschaft ersetzt ihn nicht, sondern ergänzt ihn.
Weil die meisten Gemeinschaften auf Photovoltaik setzen, ist der geteilte Anteil stark vom Wetter und von der Jahreszeit abhängig. An einem sonnigen Julimittag kann ein Mitglied fast seinen gesamten Bedarf aus der Gemeinschaft decken, an einem Dezemberabend praktisch nichts. Gemeinschaften mit Kleinwasserkraft oder Wind liefern gleichmäßiger über das Jahr.
Welche Modelle es gibt
| Modell | Reichweite | Besonderheit |
|---|---|---|
| Gemeinschaftliche Erzeugungsanlage (GEA) | ein Gebäude | z. B. PV am Dach eines Mehrparteienhauses |
| Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft (EEG) | Netzgebiet eines Netzbetreibers, lokal oder regional | nur erneuerbare Quellen, reduzierte Netzentgelte |
| Bürgerenergiegemeinschaft (BEG) | ganz Österreich | keine Netzrabatte |
Für Haushalte ist die EEG meist am interessantesten: Für den gemeinsam genutzten Strom sinkt der Netz-Arbeitspreis im Lokalbereich um 57 %, im Regionalbereich um 28 %. Seit 2024 darf ein Zählpunkt an mehreren Modellen gleichzeitig teilnehmen, derzeit an bis zu fünf.
Rechenbeispiel: Mieter ohne PV
Ein Wiener Haushalt verbraucht 3.500 kWh im Jahr und tritt einer lokalen EEG bei. Davon werden 1.200 kWh aus der Gemeinschaft gedeckt — vor allem tagsüber im Sommerhalbjahr. Eine Beispielrechnung von Stromliste kommt auf eine Ersparnis von rund 4,8 ct je geteilter Kilowattstunde netto, das sind etwa 57 € im Jahr.
Die Ersparnis setzt sich aus zwei Teilen zusammen: dem Netzrabatt und dem Energiepreis. Liegt der Preis der Gemeinschaft unter dem Arbeitspreis Ihres Lieferanten, kommt ein weiterer Vorteil dazu; liegt er darüber, schmilzt er. Mitgliedsbeitrag und etwaige Einmalgebühr ziehen Sie ab. Wer tagsüber daheim ist oder Geräte in die Mittagsstunden verlegt, erhöht den geteilten Anteil.
So werden Sie Mitglied
- Gemeinschaft suchen: über die Plattform stromverbindet.gv.at, die Karte der Koordinationsstelle auf energiegemeinschaften.gv.at oder bei der Gemeinde
- Beitrittserklärung und Vertrag der Gemeinschaft unterschreiben; Preis, Beitrag und Kündigungsregeln prüfen
- Beim Netzbetreiber die Viertelstundenwerte am Smart Meter freischalten (Opt-in) und der Datenweitergabe an die Gemeinschaft zustimmen
- Die Gemeinschaft meldet Sie beim Netzbetreiber an; ab dann wird der geteilte Strom separat abgerechnet
Die Abrechnung kommt meist von der Gemeinschaft selbst, oft einmal jährlich. Ihren Liefervertrag behalten Sie — ob er günstig ist, zeigt der Vergleich im Beitrag Stromanbieter wechseln.
Was sich ab Oktober 2026 ändert
Mit dem Elektrizitätswirtschaftsgesetz kommen ab 1. Oktober 2026 neue Formen der gemeinsamen Nutzung dazu: Energie lässt sich dann auch ohne Verein oder Genossenschaft teilen, und zwei Parteien können direkt einen Liefervertrag abschließen — etwa Nachbarn oder Verwandte. Die genauen Netzrabatte für die neuen Nähezonen waren im Spätsommer 2026 noch nicht endgültig veröffentlicht.
Bestehende Gemeinschaften laufen weiter. Wer einer beitreten will, muss nicht auf die neuen Regeln warten.
Worauf Sie beim Vertrag achten sollten
Energiegemeinschaften sind meist Vereine oder Genossenschaften, die ehrenamtlich oder von einem kleinen Dienstleister geführt werden. Die Bedingungen unterscheiden sich deshalb stark. Lesen Sie vor dem Beitritt vor allem nach, wie der Preis für den geteilten Strom festgelegt wird und ob er sich ändern kann, ob es eine Einschreibgebühr oder einen jährlichen Mitgliedsbeitrag gibt und wie lange die Kündigungsfrist ist.
Wichtig ist auch das Verhältnis von Erzeugung und Verbrauch innerhalb der Gemeinschaft. Hat sie viele Abnehmer und wenige Anlagen, bekommt jedes Mitglied nur wenig geteilten Strom — der Netzrabatt wirkt dann nur auf eine kleine Menge. Fragen Sie nach, wie viel Strom ein durchschnittliches Mitglied im Vorjahr aus der Gemeinschaft bezogen hat. Seriöse Gemeinschaften können diese Zahl nennen.
Oft gefragt
Brauche ich eine eigene PV-Anlage, um mitzumachen?
Nein. Viele Mitglieder sind reine Verbraucher und beziehen nur Strom aus der Gemeinschaft.
Kann ich meinen Stromlieferanten behalten?
Ja, und Sie brauchen ihn auch. Er liefert alles, was die Gemeinschaft nicht decken kann, vor allem abends, nachts und im Winter.
Kann ich mehreren Energiegemeinschaften beitreten?
Ja. Ein Zählpunkt kann derzeit an bis zu fünf Gemeinschaften oder vergleichbaren Modellen teilnehmen.
Wie viel spart man realistisch?
Für einen durchschnittlichen Haushalt ohne eigene Erzeugung meist einige Dutzend Euro im Jahr, abhängig vom geteilten Anteil und vom Preis der Gemeinschaft.
Quellen
- Klima- und Energiefonds – Energiegemeinschaften (FAQ)
- Koordinationsstelle – Mehrfachteilnahme
- Strom verbindet – mehr als 1.000 Energiegemeinschaften auf der Plattform (OTS)
- Stromliste – Energiegemeinschaft: neue Regeln ab Oktober 2026
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